Frühe Brände
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Brände in St. Ottilien/Emming vor der Gründung der Feuerwehr

In den Jahren 1858 bis 1862 brannten in Eresing und Emming bei neun Bränden 22 Häuser ab, vier Menschen kamen ums Leben. Die Ursache war jedes Mal Brandstiftung. Am 10. Dezember 1860 schlug der Brandstifter Wendelin Endhardt in Emming zu. Um 22 Uhr brannte der Hof des Ammerbauern (Hausnummer 3) nieder. Kein Stück Vieh konnte gerettet werden. Vier Pferde, zwei davon neu gekauft, standen erst zwei Stunden im Stall, verbrannten ebenso wie 18 Rinder und mehrere Schweine. Weil das Wohnhaus des Baderbauern (Hausnummer 2) an das des Ammerbauern angebaut war, brannte auch dieses nieder. Vieh kam aber nicht zu Schaden, da der Stall vom Wohnhaus weg lag.
Der erste Brand im Kloster St. Ottilien ereignete sich am 9. September 1895 im Ökonomiegebäude der Schwestern (Schwesternstadel Notburga).

Aus den Aufzeichnungen von Br. Leodegar Hillenbrand:
„Es war ein Montag, der 9. September 1895 um 12 Uhr Mittag, da fing das im Jahre 1892 erbaute Ökonomiegebäude der Schwestern an zu brennen. Das Futter und Getreide im Oberstock verbrannte. Die Ställe der Schweine, Kühe und Pferde litten nur wenig Schaden, der westliche Giebel fiel ein und der östliche Giebel mußte abgetragen werden, nur die Seitenwände blieben stehen. Unser Herr Gründer wollte von Lindau nach München fahren, als er im Vorbeifahren das Gebäude brennen sah, stieg er in Türkenfeld aus und ging herüber. Das Ökonomiegebäude wurde im Herbst wieder aufgebaut.“

In den Annalen des Klosters St. Ottilien findet sich zu diesem Brand folgender Eintrag:
„Schnell sprang man auf und eilte hinaus, eine Scheune sollte brennen. Es war diejenige der Schwestern, erst im Spätherbste 1892 gebaut und vollendet. Es war eine heiße schwere Arbeit, unsere eigene hart daneben befindliche und ebenfalls ganz gefüllte Scheuer zu retten, denn die andere brannte schon lichterloh in ihrer ganzen Länge, als wir ankamen, und bis die Feuerwehr kam, wäre es zu spät gewesen, obwohl sie sehr rasch zur Stelle war. Wir läuteten Sturm und Feurerreiter allarmierten die nächsten Dörfer. Die erste Hilfe kam von Eresing dann kamen die Feuerwehrleute von Pflaumdorf, Türkenfeld, Schöffelding, Windach, Greifenberg und Achselschwang. Letztere konnten aber nicht mehr fleißig eingreifen, weil es an Wasser mangelte und mußten wieder umkehren. (...)
Nachdem wie gesagt, die Feuerwehr zur Stelle, war unsere Arbeit entweder pumpen oder Wasser tragen und ohne Ermüdung arbeiteten Brüder und Schwestern und Zöglinge bis in die Nacht. Dieses Unglück hat recht gezeigt, daß wahrhaft christliche und geschwisterliche Liebe die beiden Zweige der Congregation verbindet. Wie sehr bedauerten wir alle die nun, wenigstens scheinbar, vergebliche Arbeit, all die Mühen, all die Schweißtropfen, welche beim Einheimsen der reichen Ernte von den Schwestern vergossen wurden. Es verbrannten nach ungefährer Schätzung des Oberökonomen der Schwestern Br. Gottfried; 240 Wägen Heu und Grumet à 20 Ctr, darunter auch noch altes Heu, 15 Wägen Erbsen, 6 Wägen Gerste, 2 Wägen Grassamen, 6 Wägen Roggen, 10 Ctr. Futtermehl, 3 neue Heuwägen noch schwer beladen mit Grumet, 2 Futtermaschinen, eine Dreschmaschine und eine Putzmühle. Ein weiteres Unglück ist noch, daß all dies nicht versichert ist, sondern nur das Gebäude. Das größte Unglück aber ist, und das zeigt so recht, wie verhaßt sich die resign. Oberin in der Umgegend durch ihr manchmal knickeriges Wesen und willkürliche Entlassungen von Schwestern gemacht hat, daß man sie der Brandstiftung beschuldigte, aus Rache für die Absetzung, wie die Volksstimme sagt. Die eigentliche Ursache des Brandes wissen wir nicht sicher.“

Nach dem Urteil der Brandversicherungskommission verursachte ein defekter Ofen im hölzernen Kesselhaus an der Ostseite den Brand. Weder beim Brand noch bei den Löscharbeiten oder beim Einsturz des Westgiebels zwei Tage später wurde jemand verletzt.
Am 8. Januar 1906 ereignete sich in der Küche des Wirtschaftsgebäudes eine Gasexplosion, die von einem gebrochenen Verbindungsrohr bei der vor kurzem in Betrieb genommenen Blaugas-Beleuchtungsanlage für das Seminar verursacht wurde.

Landsberger Anzeigeblatt“ vom 12. Januar 1906

„Landsberger Anzeigeblatt“ vom 16. Januar 1906

Die Chronik des Klosters St. Ottilien berichtet über dieses Ereignis:
„8. Januar. Von einer schweren Heimsuchung wurde St. Ottilien heute noch glücklich bewahrt. Nachmittags gegen ¾ 4 Uhr machte plötzlich ein dumpfer Knall vom Seminar alle Häuser ringsum erzittern; bald folgte in kurzen Abständen noch ein zweiter und dritter Knall. Die Gasflaschen, welche das zur Beleuchtung des Seminars erforderliche Gas enthielten, waren nach einander explodiert. Auf den ersten Knall flogen alle Türen auf, alle Fenster der Vorderseite des Hauses zerbrachen in tausend Scherben; beim zweiten, ungleich heftigeren, der in einer Stunde Umkreis gehört wurde, erbebte das ganze Haus; zugleich schlug vom Keller heraus eine qualmende Feuersäule während das Gas sich in die oberen Räume des Hauses verbreitete und sich entzündete. Als die Explosion vorüber war, suchte man sich mit Aufbietung aller Kräfte des Feuers zu bemächtigen, was dann auch bald gelang. Namensloses Unglück hätte entstehen können, da die Zöglinge alle in der Schule waren. Wären die Flaschen zu gleicher Zeit explodiert, wer weiß, was geschehen wäre. Schwere Verletzungen trug der Koch, Br. Valentin, davon. Dieser befand sich der Unglücksstätte zunächst und als die Gase sich entzündeten, stürzte er aus der Küche und warf sich in den nahen Weiher, worauf er ins Krankenzimmer verbracht wurde. Noch einige andere Brüder trugen Verletzungen, wenn auch minder gefährliche, davon, vielen wurden Bart und Haare verbrannt. Der Materialschaden ist allerdings nicht so groß, wie es den Anschein haben möchte, da das Haus außerordentlich starke Grundmauern besitzt und dieselben dem Drucke Widerstand leisteten. Bereits sind die Wiederherstellungsarbeiten im Gange und dürften in einigen Tagen vollendet sein.“

Um das Risiko einer weiteren Explosion zu vermeiden, entschied man sich nach langwierigen Beratungen, eine elektrische Beleuchtung zu installieren.